Dienstag, 13. März 2012

Sonne und andere Geschenke

13.03.2012
Hendaye - Vera de Bidasoa (Spanien)
6 h / 25 km

Die Nacht war wunderbar kalt und auch morgens kann man im Schatten noch schön seinen Atem sehen. Aber bis auf ein bißchen Dunst ist keine Wolke am Himmel und auch als ich Hendaye verlasse, ist alles genauso leer wie gestern Abend.


Gleich hinterm Ortsschild geht sofort die Landschaft los, quelle surprise! Nachdem auch die letzten Campingplätze hinter mir liegen, sehe ich nur noch Bauernhöfe, kleine Häuser (die sich ebenfalls zwischen Blau, Grün und Rot in Kombination zu ihrem unvermeidlichen Weiß entschieden haben) und Hügel. Hügel hinter Hügel reiht sich die Landschaft aneinander und führt mich entspannt von einer Kurve zur nächsten. Zu allem scheint die Sonne, es ist nur etwas diesig. Schnell klettern die Temperaturen auf 20° und beim nächsten großen Anstieg kann ich den Schweiß schon riechen. Oben angekommen warten ein Bergsee, grasende Pferde und grüne Wiesen unter uralten Bäumen auf die Verleihung der Idyllenschwerpunkt-Medallie.
Der Weg schraubt sich weiter an den Flanken der Fußhügel der Pyräneen entlang, bis oben am Col d'Ibardin. Dort warten erstmal wie drohende Wächter oben auf der Kuppe die Hotels und Ausflugscafés, die ersten Spaziergänger strömen mir mit fröhlich schallendem "Bonjour!" entgegen. Ich widerstehe der Versuchung, mir hier schon eine kalte Cola oder ein Eis zu ziehen und stürme stattdessen wieder rüber nach Spanien, um dem Touristentrubel - oder besser mein Gefühl, daß ich hier fehl am Platz bin - zu entkommen. Und rein ins schöne Gebirgsleben!


In Spanien ist plötzlich alles ganz leer. Die Spaziergänger sind weg, die kleinen Häuseransammlungen sind weg, auf einmal regieren die Berge und der Wald. Hinter mir versteckt sich der Atlanik im Dunst und nur die seltsame blaue Leere da hinten läßt erahnen, daß da irgendwo das Meer sein muß. Ich kriege bei der Fernsicht und den sich im Dunst verlierenden Hügelketten schon wieder weiche Knie, bis mich eine ältere Dame, die mir auf dem Weg entgegenkommt, aus dem Konzept reißt. Verdammt, mein Spanisch ist ja im Gegensatz zu meinem schlechten Französisch absolut nicht existent. Wie zur Hölle grüßt man hier eigentlich? Statt einfach die Schnauze zu halten und freundlich zu nicken, stammele ich leise "Bonjour..." und sehe am Gesicht der Dame, daß sie anscheinend auf Französisch nicht so gut zu sprechen ist. Auf sowas Naheliegendes wie "Buenos dias..." komme ich erst viel später...

Beim Abstieg merke ich zum ersten Mal, WIE alt meine uralten französischen Wanderkarten sind, die den sicherlich nochmal 10 zusätzliche Jahre älteren Stand der Dinge hinter der spanischen Grenze abbilden. Ich finde mich nicht mehr zurecht und entscheide dann doch entspannt: Naja, irgendwie erstmal runter ins Tal...

Unten belohnt mich ein Spaziergang durch den Ort und ein grandioses Zimmer für den heißen Tag. Es hat angefangen! Also alles: Spaß am Wandern, Blasen, Sonnenbrand, Lust auf mehr Landschaft.


Nach der ersten Dusche gegen den Schweiß und Staub des Tages stürze ich meine schönste Wanderbelohnung runter: Ne kalte Cola. Die erste Besichtigung der Blasen-Hotspots bringt vorsichtige Bedenken für den nächsten Tag, aber Jammern hilft ja auch nix, wenn keiner zuhört. Ab 1930 gibt's Abendbrot und danach lockt im Badezimmer die Wanne. 

Ich wüßte nicht, was man von diesem Tag hätte mehr verlangen sollen.

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