Freitag, 30. März 2012

Ich war halt doch nicht beim Bund.

Freitag, 30.03.2012
Auch nach Gimont
6,5 h / 31 km

Auch beim Frühstück sind die Rezeptionsmädels in meinem schrägen Hotel noch jut drupp. Die Decke des Frühstücksraums ist verspiegelt, das heiße Wasser für meinen Tee macht die Frühstücksdame ganz entspannt mit dem Top auf dem Herd warm und überhaupt fühlt sich das alles an wie in einem Ferienhotel in Bulgarien. Aber ich will nicht meckern: Wenn man sich nicht vom ersten Eindruck bzw. dem Plattenbaucharme abschrecken läßt, wartet dahinter ein gutes, preisgünstiges und freundliches Hotel. Ich hab hier jedenfalls gerne gewohnt.

Danach der vorläufige Tiefpunkt des Tages: Rucksack packen. Irgendwie ist alles schon komplett vollgestopft und auf dem Bett liegt noch ein ganzer Haufen, der noch mitsoll. Der Einkauf von gestern Abend war wirklich komplett kopflos. Am Ende geht's dann irgendwie doch, mit 5kg mehr und einem unförmigen turmartigen Etwas auf dem Rücken wanke ich auf die Straße. Wieder am Supermarkt vorbei, biege ich drei oder viermal ab, dann ist wieder Ruhe mit Autoverkehr.

In Pessan bietet sich der historische Dorfkern samt Benediktinerabtei zum kurzen Fotostop an. Knipsiknipsi und weiter, die Etappe ist lang... 



Auf der Straße wieder das alte Spiel. Hügelketten, zu viel Sonne, zu wenig Schatten. Leicht Wind, der alles erträglich macht, Aussicht und Asphalt. Schon am späten Vormittag reißt das erste Mal der Schmerz durch den linken kleinen Zeh -- ich bin gespannt auf den Zustand der Blase da unten, die ich heute früh verpflastert habe. 

Den Rest des Tages verbringe ich damit, Strecke zu machen. Im besten Sinne. Die Felder ziehen vorbei, manchmal blitzen kleine Besonderheiten auf: Die immerhin 8 Hunde bei Le Charles, die mich aus dem Garten anbellen. Die herrlich kleinen Wege, über die mich der zufällig gefundene Wanderweg führt. Der Bauer in Le Cros, der mir vom Hügel herunter zuwinkt. Das kilometerlange Feld mit den seltsamen Farbschattierungen am Hang unter La Rochette. Das alte Schloß hinter l'Isle-Arné. Aber im Großen und Ganzen bleibt es ein einsamer Ritt über kleine Bauernsträßlein.




Über den Nachmittag macht die schlimme Stelle am kleinen Zeh noch zweimal fiese Faxen. Die letzte Stunde achte ich peinlich darauf, daß der linke Fuß nicht nach links außen abfällt (wie z.B. ständig der Fall, wenn ich einem Auto nach links auf den Randstreifen ausweiche), denn jedesmal fluche ich vor Schmerzen. Man gewöhnt sich dran, aber ich habe Schiß vor dem Auspacken später.

Und so kommt es auch. Unter dem Blasenpflaster hat sich die Blase nochmal verdreifacht, ich operiere ein bißchen daran herum und lasse es dann doch lieber bleiben. Davon wird es auch nicht besser. Ich beschließe, die sauteuren Hightech-Blasenpflaster zu boykottieren und zu den guten alten Heftpflastern zurück zu kehren. Die kannste Abends wenigstens entfernen...

Ich esse ein freudloses Halbpensionsabendessen im Restaurant, wobei die von der Kellnerin in einer schwungvollen Kurve vom Teller geschossene Kartoffel kein wirklicher Verlust war. Beim Versuch, meine Übernachtungen für die nächsten Tage klarzumachen, kriege ich konsequent niemanden ans Telefon und gehe frustiert auf meine Stube. Wer weiß, wozu's gut ist. Wer weiß, ob ich morgen wieder in die Stiefel komme.

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